Es gibt Dinge im Leben, die klingen banal – bis man drei Wochen, zwei Ladekabel, einen Ladeziegel, eine Kabeltrommel und einen Werkstatttermin später immer noch nicht so richtig weiß, wer eigentlich schuld ist. Genau so eine Geschichte möchte ich euch heute erzählen: die Sache mit dem Ladekabel, das mal wollte und mal nicht.
Falls ihr nur schnell die Lösung sucht, weil euer Auto gerade wütend rot blinkt: Springt runter zur Checkliste am Ende. Falls ihr Lust auf die volle Fehlersuche mit allen Slapstick-Einlagen habt – lest weiter.
Akt 1: „Kein Ladekabel erkannt“
Es fing harmlos an. Ich stecke an einer Säule eines bestimmten Betreibers (nennen wir ihn einfach Betreiber X – wer öfter in meiner Gegend lädt, kennt ihn vielleicht) mein Ladekabel ein, halte die Karte dran, die Säule entriegelt brav – und dann: nichts. Der Bordcomputer meldet süffisant, es sei kein Ladekabel erkannt worden. Klar doch, das schwere graue Ding, das gerade in meiner Ladebuchse steckt, ist natürlich nur Deko.
Das Ganze passierte an vier verschiedenen Säulen desselben Betreibers – aber bei BMW selbst, mit einem Leihkabel, lief alles butterweich. Erstes Indiz: Es könnte am Kabel liegen, nicht an meinem Auto.
Merksatz Nr. 1: Wenn ein Fehler nur bei einem einzigen Betreiber auftritt, obwohl andere Fahrzeuge dort problemlos laden, lohnt sich trotzdem erstmal der Blick auf das eigene Kabel – bevor man dem Betreiber die Schuld gibt.
Akt 2: Der Werkstattbesuch, der alles erklärte (dachte ich)
Ab zu BMW. Und siehe da: Die Werkstatt fand tatsächlich einen eingedrückten Pin im Stecker – vermutlich CP oder PP, für die Nicht-Elektriker unter euch: einer der kleinen, aber wichtigen Kontakte, über die Auto und Ladesäule sich „unterhalten“, ob und wie viel Strom fließen darf. Fall gelöst, dachte ich. Kabel kaputt, neues Kabel kaufen, fertig.
Für alle, die gerade selbst ein Ersatzkabel suchen: Ich bin am Ende beim MAHLE MX 485 gelandet (22 kW, 32A, 3-phasig, 5 Meter – exakt wie das BMW-Original, nur günstiger und mit deutscher Erstausrüster-Herkunft). Für gelegentliche Nutzer wie mich eine gute Wahl.
Akt 3: Neues Kabel, altes Déjà-vu
Und dann kam der Moment, in dem ich fast das Kabel gegen die Wand geworfen hätte: Bei Betreiber X, exakt derselbe Fehler – mit dem brandneuen Kabel. LED am Auto: kurz grün, dann stur rot. Kein Laden, keine Gnade.
Jetzt könnte man meinen, ich hätte einfach das Kabel reklamiert und die Sache auf sich beruhen lassen. Aber nein – an dieser Stelle hat mein innerer Fehlersuch-Reflex übernommen, und ich habe angefangen, systematisch jede erreichbare Steckdose in meinem Vorgarten zu testen.
Die große Testreihe (oder: Ich und meine Kabeltrommel gegen den Rest der Welt)
Hier die Ergebnisse meiner völlig übertriebenen, aber letztlich sehr aufschlussreichen Testreihe:
| Ort / Testaufbau | Kabel | Ergebnis |
|---|---|---|
| BMW-Werkstatt (AC-Säule) | Stationskabel | ✅ lädt |
| Eigene Wallbox zuhause | Wallbox-Kabel | ✅ lädt |
| Zuhause, Ladeziegel an Schuko | eigener Ladeziegel | ❌ kurz orange, dann aus |
| Bekannter | MAHLE (neu) | ✅ lädt einwandfrei |
| EVM Höhr-Grenzhausen | MAHLE (neu) | ✅ lädt einwandfrei |
| Betreiber X | MAHLE (neu) | ❌ Rot, kein Laden |
Ich habe in dieser Phase wortwörtlich in Sandalen vor meinem Auto gestanden, eine Kabeltrommel entfernt, einen Ladeziegel direkt an die Steckdose gehängt und meinem Nachbarn vermutlich ziemlich verdächtig vorkommen müssen. Das Ergebnis war aber eindeutig: Das Kabel ist völlig in Ordnung. Es lädt an zwei komplett unabhängigen Orten tadellos. Nur bei Betreiber X streikt es – mit zwei verschiedenen Kabeln in Folge.
Merksatz Nr. 2: Wenn zwei unterschiedliche Kabel am selben Betreiber scheitern, aber überall sonst funktionieren, ist das kein Kabelproblem mehr – das ist ein Beziehungsproblem zwischen eurem Auto und genau diesem Betreiber.
Der (aktuell wahrscheinlichste) Verdächtige: ISO 15118 und ein müder Fehlerspeicher
Jetzt wird es für Technikfreunde interessant: Moderne Ladesäulen kommunizieren teils über ISO 15118 (das Protokoll hinter „Plug & Charge“) mit dem Fahrzeug – über sogenannte Power Line Communication, kurz PLC. Und siehe da: In BMW-Fehlerspeichern taucht durchaus mal ein Eintrag auf wie „Laden, Power Line Communication: Verbindungsstörung“ – ein CCU-Fehler (CCU = Combined Charging Unit, das Steuergerät fürs Laden).
Meine aktuelle Arbeitstheorie: Betreiber X nutzt vermutlich PLC/ISO 15118-fähige Säulen, während EVM Höhr-Grenzhausen, mein Bekannter und meine eigene Wallbox nur mit dem einfacheren, reinen PWM-Signal nach IEC 61851 arbeiten. Sollte sich da ein hartnäckiger Fehlercode im CCU festgesetzt haben, könnte der bei jedem neuen Versuch mit PLC-Kommunikation wieder aufpoppen – auch wenn das ursprüngliche Problem (das kaputte Kabel) längst behoben ist.
Flame on: Liebe Fahrzeughersteller, liebe Ladesäulenbetreiber – wäre es zu viel verlangt, dem Fahrer im Klartext zu sagen „Ladevorgang abgebrochen, weil PLC-Handshake fehlgeschlagen“ statt eines lapidaren „kein Ladekabel erkannt“? Das hätte mir und meinem Nachbarn eine Menge Kabeltrommel-Kabarett erspart. Flame off.
Nächster Schritt bei mir: Nochmal zu BMW, diesmal mit der kompletten Tabelle im Gepäck und der konkreten Bitte, den CCU-Fehlerspeicher gezielt auf PLC-/Ladeelektronik-Fehlercodes zu prüfen und – ganz wichtig – ihn auch wirklich zurückzusetzen. Ob das der letzte Akt dieser Geschichte war, verrate ich euch in einem Update.
Checkliste für alle, die gerade vor demselben Rätsel stehen
- Tritt der Fehler nur bei einem bestimmten Betreiber auf? Dann testet das Kabel unbedingt auch woanders (Bekannte, andere Betreiber, eigene Wallbox), bevor ihr das Kabel wegwerft.
- Laden andere Fahrzeuge an derselben Säule problemlos? Dann liegt es sehr wahrscheinlich nicht an der Säule selbst.
- Scheitert ein zweites, komplett neues Kabel ebenfalls nur bei diesem einen Betreiber? Dann geht der Verdacht Richtung Fahrzeug (Ladebuchse oder CCU-Software) statt Kabel.
- Bei der Werkstatt gezielt nach dem CCU-Fehlerspeicher fragen – nicht nur nach einer Sichtprüfung des Kabels. Insbesondere nach Einträgen rund um Power Line Communication / AC-Ladeelektronik.
- Fehlerspeicher explizit löschen lassen – auch wenn „kein aktueller Fehler“ gefunden wird.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit bestimmten Ladesäulenbetreibern gemacht? Ich bin gespannt, ob ich mit meiner ISO-15118-Theorie richtig liege – schreibt es gerne in die Kommentare!
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