Myenergi Wallbox – „Grid CT verloren“

Grid CT verloren – oder: Wie meine Wallbox plötzlich beschloss, in den Streik zu treten

Es gibt Meldungen, die möchte man einfach nicht sehen. „Grid CT verloren” gehört definitiv dazu. Vor allem dann nicht, wenn das Auto am Kabel hängt, morgen eine längere Fahrt ansteht und die Wallbox zuhause beschlossen hat: „Heute wird nicht geladen“.

Genau das ist mir passiert. Und weil ich auf der Suche nach der Lösung durch gefühlt hundert Forenbeiträge, zwei Gebrauchsanleitungen und ein englisches Support-Portal gestolpert bin, dokumentiere ich hier den ganzen Krimi – damit ihr es leichter habt, wenn eure Ladestation die gleiche Idee entwickelt (und ich, falls ich das mal alles wieder vergessen sollte und nach 4 Jahren erneut das Problem auftaucht)

Vorweg wie immer: Ich bin weder Elektriker noch Funktechniker. Ich erzähle euch hier, was bei mir funktioniert hat. Wer an seiner Elektrik selbst herumschraubt, tut das auf eigene Verantwortung – und alles, was im Zählerschrank passiert, gehört sowieso in die Hände eines Elektrikers.

Mein Setup – oder: Wer redet hier eigentlich mit wem?

Kurz zur Ausgangslage, damit ihr versteht, worum es geht:

Bei mir hängt eine Zappi von myenergi in der Garage – eine Wallbox, die nicht einfach nur stumpf Strom ins Auto pumpt, sondern mitdenkt. Damit sie mitdenken kann, braucht sie allerdings Informationen: Wie viel Strom fließt gerade aus dem Netz ins Haus? Wie viel schiebt meine kleine Photovoltaikanlage gerade ab?

Diese Informationen liefern kleine Messzangen, sogenannte CTs (Current Transformer – zu Deutsch: Stromwandler). Das sind Klammern, die einfach um die Stromleitungen am Zähler geclipst werden. Kein Kabel wird aufgeschnitten, nichts wird angebohrt – die Dinger messen berührungslos, wie viel Strom durch die Leitung fließt. Ziemlich clever.

Und weil vom Zählerschrank im Keller bis zur Garage kein Kabel liegt, kommt der dritte Mitspieler ins Spiel: der Harvi.

Myenergi Harvi

Ein kleines Kästchen, an das die Messzangen angeschlossen werden und das die Messwerte per Funk an die Zappi schickt. Das Beste daran: Der Harvi braucht nicht mal ein Netzteil – er zieht seine Betriebsenergie direkt aus den Messzangen. Der kleine Kerl ernährt sich sozusagen von dem Strom, den er misst. Finde ich bis heute faszinierend.

Bei mir sind es drei Messzangen, weil ich – wie in Deutschland üblich – einen dreiphasigen Hausanschluss habe. Eine Zange pro Phase.

Vier Jahre lief das alles völlig unauffällig. Und dann kam der Tag X.

Warum überhaupt der ganze Aufwand?

Bevor ich zum Problem komme, kurz die Frage, die sich vielleicht mancher stellt: Warum nicht einfach eine „normale” Wallbox? Anschließen, laden, fertig?

Kann man machen. Dann lädt das Auto stumpf mit voller Leistung – egal, ob die Sonne scheint oder nicht. Der Strom kommt dann eben aus dem Netz, zum vollen Tarif.

Die Zappi macht es anders: Im Eco-Modus schaut sie ständig auf die Messwerte vom Harvi und passt die Ladeleistung dynamisch an. Scheint die Sonne und die PV-Anlage produziert mehr, als das Haus verbraucht? Dann wandert dieser Überschuss ins Auto statt für ein paar Cent Einspeisevergütung ins Netz. Zieht eine Wolke auf? Dann regelt die Zappi runter. Das passiert im Sekundentakt, vollautomatisch.

Das nennt sich PV-Überschussladen, und es ist der Unterschied zwischen „Ich lade mein Auto” und „Ich lade mein Auto mit selbstgemachtem Sonnenstrom, während die Nachbarn noch überlegen, was eine Kilowattstunde eigentlich kostet”. Meine PV-Anlage ist mit 3,2 kWp wirklich kein Kraftwerk – aber an einem sonnigen Tag kommt trotzdem einiges im Akku an, was mich sonst keinen Cent gekostet hätte… äh, was mich sonst Geld gekostet hätte. Ihr wisst, was ich meine.

Der Haken an der Sache: Das ganze schöne System steht und fällt mit den Messwerten. Ohne die Daten vom Harvi ist die Zappi blind. Und eine blinde Zappi macht – nichts. Womit wir beim Problem wären.

Das Problem: „Grid CT verloren”

Eines Tages meldete meine Zappi mitten im Ladevorgang: GRID CT VERLOREN. Ladeleistung: 0 kW. Auto: lädt nicht mehr.

Das Kuriose: Stoppte ich den Ladevorgang in der App und startete ihn neu, lief alles wieder – für eine Weile. Mal 30 Minuten, mal nur 5, mal 40. Dann wieder: Grid CT verloren. Das Auto musste teilweise sogar ab- und wieder angesteckt werden. Auf Dauer ist das ungefähr so entspannend wie ein Wecker, der zufällig klingelt.

„Grid CT verloren” heißt übersetzt: Die Zappi bekommt keine Messwerte mehr vom Netz-Stromwandler. Sie weiß nicht mehr, was im Haus los ist – und bricht sicherheitshalber ab.

Aber warum? Vier Jahre lief alles stabil. An der Anlage selbst hatte ich nichts verändert – dachte ich zumindest. Was ich dabei nicht auf dem Schirm hatte, kommt jetzt.

Die Ursachenforschung – ein Krimi in drei Akten

Akt 1: Das Firmware-Update, das heimlich umräumt

Kleiner Rückblick: Kurz vorher hatte ich Probleme mit dem Ladekabel meines i4 . Auf der Suche nach der Ursache dachte ich mir: Bringst du die Zappi doch mal auf den neuesten Stand, kann ja nicht schaden. Also habe ich selbst das Firmware-Update angestoßen – die Zappi macht das nämlich nicht automatisch, sie lädt neue Firmware zwar herunter, installiert wird aber erst, wenn man es am Gerät oder in der App bestätigt. Allerdings: Nach vier verpassten Updates macht die Myenergi das wohl auch selbst. Kann ja nicht schaden, dachte ich.

Denn dieses Update hatte eine Überraschung im Gepäck: Danach standen die internen CT-Eingänge der Zappi (dort könnte man Messzangen direkt anschließen – bei mir ist da aber nichts dran) plötzlich auf „Grid”. Gleichzeitig standen die CTs des Harvi auf „None” – also deaktiviert. Genau verkehrt herum! Die Zappi suchte das Netzsignal also an Eingängen, an denen gar nichts angeschlossen ist. Kein Wunder, dass sie nichts fand.

Und weil ich das Update ja wegen des Ladekabels gemacht hatte, habe ich den Zusammenhang erst mal gar nicht hergestellt. Klassischer Fall von: Man repariert Problem A und baut sich dabei unbemerkt Problem B ein.

Für alle, die vor dem nächsten Update nachlesen wollen, was sich ändert: Die Release Notes findet ihr auf Deutsch unter myenergi.com/de/firmware-release-notes sowie im myenergi Help-Center unter support.myenergi.com (dort im Bereich „Firmware Release Notes”, getrennt nach Gerätetyp – für die neueren Zappis mit eingebautem WLAN gilt der Bereich „zappi 2 + Wi-Fi/vHub”).

Die korrekte Einstellung für ein Setup wie meines (Messzangen am Harvi, nichts direkt an der Zappi) lautet übrigens:

  • CT Config an der Zappi (interne Eingänge): CT1, CT2, CT3 = None
  • Linked Devices → Harvi: TYPE = 3 Phase, CT1, CT2, CT3 = Grid

Nachdem ich das korrigiert hatte, lief es wieder. Kurz. Dann: Grid CT verloren. Es gab also noch einen zweiten Täter.

Akt 2: Die neue Firmware ist ein Sensibelchen

In den myenergi-Foren wurde ich fündig: Die Firmware-Version 5 hat auch das Toleranzverhalten geändert. Früher galt: Wenn die Funkverbindung zum Harvi mal kurz abriss, hat die Zappi einfach weitergeladen und gewartet, bis das Signal zurückkam. Kurze Aussetzer blieben unbemerkt.

Seit Firmware 5 gilt: Nach etwa 30 Sekunden ohne Signal ist Schluss. Sofort. Fehler, Ladestopp, rote LED.

Und jetzt kommt’s: Mein Harvi hängt im Keller an der Decke, die Zappi in der Garage. Dazwischen: eine Stahlbetondecke UND eine Fertigbetonwand, rund 20 Meter Luftlinie. Für ein Funksignal ist Stahlbeton ungefähr das, was für uns eine Burgmauer ist. Die Verbindung war vermutlich schon immer wackelig – nur hat die alte Firmware die kurzen Aussetzer gnädig überspielt. Die neue petzt sofort.

Akt 3: Der Übeltäter wird gestellt

Damit war klar: Das Grundproblem ist die Funkstrecke. Die alte Firmware hat es kaschiert, die neue deckt es auf. Und dagegen helfen im Wesentlichen zwei Dinge: ein besserer Funkkanal – oder ein besserer Standort für den Harvi.

Die Lösungswege – vom einfachsten zum gründlichsten

Lösungsweg 1: Funkkanal wechseln – erst mal Kanal 3 probieren!

Der einfachste Weg zuerst, und das ist auch die offizielle Empfehlung von myenergi: Wechselt den Funkkanal – konkret auf Kanal 3. Das hat bei vielen Nutzern das Problem bereits gelöst, denn oft funkt schlicht ein anderes Gerät dazwischen (Funksteckdosen, Wetterstationen, Alarmanlagen und neuerdings auch manche Smart Meter tummeln sich im gleichen Frequenzbereich).

So geht der Kanalwechsel:

  1. Am Harvi: Die Paarungstaste gedrückt halten (und zwar wirklich lange – bei mir waren es gute 20 Sekunden!). Die LED blinkt dann blau und zählt die Kanäle durch: 1x blinken = Kanal 1, 3x = Kanal 3 usw. Beim gewünschten Kanal die Taste loslassen.
  2. An der Zappi: Menü → Andere Einstellungen → Erweitert → Passcode 0000 → Linked Devices → Channel → denselben Kanal einstellen.
  3. Kurz warten. In der App kann es übrigens bis zu 5 Minuten dauern, bis der neue Status angezeigt wird – nicht nervös werden.

Kleiner Stolperstein am Rande: Bei älteren Harvi-Geräten (Seriennummer beginnt mit einer 1 – steht auf dem Typenschild) stehen nicht alle 8 Kanäle zur Verfügung. Probiert es einfach aus – wenn die Zappi den Harvi auf einem Kanal nicht findet, wechselt zurück.

Wichtig: Ein kurzer Druck auf die Harvi-Taste wechselt übrigens keinen Kanal – er zeigt nur den aktuellen an (blaues Blinken zählen!) und stellt danach die Verbindung neu her. Auch das kann übrigens schon helfen.

Lösungsweg 2: CT-Konfiguration prüfen (Pflichtprogramm nach jedem Firmware-Update!)

Falls der Kanalwechsel nichts bringt – oder der Fehler direkt nach einem Firmware-Update auftauchte – prüft die CT-Konfiguration. Bei mir hatte das Update die Einstellungen umgeworfen (siehe oben). Merkt euch die Faustregel:

Die Messzangen dürfen nur an EINER Stelle als „Grid” konfiguriert sein – nämlich dort, wo sie physisch angeschlossen sind. Hängen sie am Harvi, gehören die internen Zappi-Eingänge auf „None”. In der Geräteliste erkennt ihr die aktive Grid-Messung am Tilde-Symbol (~) – und das darf pro Phase nur einmal auftauchen.

Und schreibt euch hinter die Ohren: Nach jedem Firmware-Update einmal kurz kontrollieren. Kostet zwei Minuten und erspart euch meinen Krimi.

Lösungsweg 3: Den Harvi umziehen lassen – die Radikalkur

Bei mir half leider weder Kanal noch Konfiguration dauerhaft – die Betonburg zwischen Keller und Garage war einfach zu viel. Also musste der Harvi umziehen: raus aus der Funk-Sackgasse, an eine Hausecke mit Kellerfenster, von wo das Signal nur noch durch normales Mauerwerk und eine Garagenwand muss statt durch die Stahlbetondecke.

Das Schöne: Die Messzangen selbst bleiben, wo sie sind. Man verlängert einfach ihre dünnen Signalkabel – und das ist ausdrücklich erlaubt: bis zu 100 Meter, solange man ein Twisted-Pair-Kabel verwendet, also zum Beispiel ein stinknormales Netzwerkkabel. Pro Messzange nimmt man ein verdrilltes Adernpaar (beide Adern desselben Paares – das ist wichtig, sonst fängt sich die Leitung Störungen ein).

Dabei habe ich allerdings noch zwei Dinge auf die harte Tour gelernt:

Erstens: Netzwerk-Verlegekabel (das steife mit den massiven Drähten, z. B. Cat 7) ist für diesen Job ungeeignet. Die starren Adern brechen beim Hantieren im kleinen Harvi-Gehäuse schneller, als man „Grid CT verloren” sagen kann. Bei mir waren am Ende zwei Adern unsichtbar unter der Isolierung gebrochen – die Fehlersuche dazu war ein eigenes Abenteuer mit Multimeter. Nehmt stattdessen ein flexibles Patchkabel CAT 6 oder CAT 5 (das sind die mit Litze statt Massivdraht) und crimpt Aderendhülsen auf die Enden. Und falls euch jemand rät, die Litzen einfach zu verzinnen und in die Schraubklemme zu stecken: nicht machen! Lötzinn gibt unter Klemmdruck mit der Zeit nach, und dann habt ihr einen wunderbaren Wackelkontakt – also genau das Problem, das ihr gerade loswerden wolltet.

Zweitens: Nach dem Anschließen unbedingt prüfen, ob alle drei Zangen auch wirklich Werte liefern. Bei laufender Ladung (das Auto lädt dreiphasig, da MUSS auf allen drei Phasen was zu messen sein) in der Zappi unter CT Config die Readings anschauen. Zeigt eine Phase hartnäckig Null: Kabelverbindung prüfen. Zeigt eine Phase negative Werte: Plus und Minus an dieser Zange vertauscht – einfach umklemmen.

Seit dem Umzug des Harvi: kein einziger Abbruch mehr. Das Auto lädt wieder brav seinen Sonnenstrom, und ich schaue wieder entspannt aufs Handy statt panisch in die Garage zu rennen.

Das eigentliche Ärgernis: Babylon im Sicherungskasten

Und damit komme ich zu einem Punkt, der mich bei der ganzen Aktion am meisten beschäftigt hat – und der weit über myenergi hinausgeht.

Da stehen nun in einem modernen Haushalt: eine PV-Anlage mit Wechselrichter, eine Wallbox, vielleicht ein Batteriespeicher, ein intelligentes Messsystem, eine Wärmepumpe. Alle produzieren, verbrauchen oder speichern Strom. Und man sollte meinen, die könnten sich untereinander mal kurz absprechen: „Du, ich hab hier grad 2 kW Überschuss – will die jemand?”

Die Folge: Jeder Hersteller baut sich seine eigene Insellösung. Bei myenergi sind das eben die eigenen Funksensoren – der Harvi misst selbst nach, was im Haus passiert, weil ihm der Wechselrichter es ja nicht erzählen kann. Das funktioniert innerhalb der myenergi-Welt richtig gut (wenn nicht gerade Stahlbeton im Weg ist), aber es ist eben eine Krücke für ein Problem, das eigentlich keins sein müsste.

Bis sich das ändert, gilt: Beim Kauf darauf achten, dass die Komponenten zueinander passen – oder sich, wie ich, in die Welt der Messzangen, Funkkanäle und Twisted-Pair-Kabel einarbeiten. Ist auch irgendwie spannend. Sagt man sich zumindest, wenn man abends mit dem Multimeter im Keller steht.

Wenn nichts hilft: So erreicht ihr den myenergi-Support richtig

Falls ihr mit den drei Lösungswegen nicht weiterkommt, noch ein Tipp aus eigener Erfahrung, wie ihr am besten an den Support kommt – denn auch da gibt es einen kleinen Kniff:

Schritt 1: Zuerst online eine Fehlermeldung eröffnen. Auf der myenergi-Webseite bzw. im Help-Center (support.myenergi.com) reicht ihr über das Kontaktformular euer Problem ein. Packt am besten gleich alles rein: Seriennummern von Zappi und Harvi, Firmware-Version, was ihr schon probiert habt, gerne auch Fotos vom Display. Je vollständiger, desto besser. Mit der Meldung bekommt ihr eine Call-ID (Ticketnummer) – und die ist der Schlüssel für alles Weitere.

Schritt 2: Geduld – oder nachhelfen. Nach etwa 3 bis 5 Werktagen meldet sich der deutsche myenergi-Support aus Köln zurück. Wem das zu lange dauert: Ruft dort ruhig an. Auch wenn ihr nur auf dem Anrufbeantworter landet – hinterlasst eure Call-ID, dann kann der Support euer Ticket direkt zuordnen und ihr rutscht in der Warteschlange nicht durch.

Wichtig ist die Reihenfolge: Erst das Ticket, dann der Anruf. Ohne Call-ID kann euch am Telefon niemand richtig helfen, weil eure ganzen Infos (Seriennummern, Fotos, Vorgeschichte) ja im Ticket stecken.

Fazit – die Kurzfassung für Eilige

Falls eure myenergi-Anlage „Grid CT verloren” meldet, hier die Checkliste:

  1. Funkkanal wechseln – myenergi empfiehlt Kanal 3. Hat vielen geholfen, kostet nichts, dauert 5 Minuten.
  2. CT-Konfiguration prüfen – besonders nach einem Firmware-Update! Interne Zappi-CTs auf None (wenn nichts angeschlossen), Harvi-CTs auf Grid, Typ 3 Phase. Das Tilde-Symbol (~) darf pro Phase nur einmal existieren.
  3. Funkstrecke verbessern – wenn nichts hilft: Harvi an einen besseren Standort umziehen. Messzangen-Kabel dürfen mit Twisted-Pair-Kabel bis 100 m verlängert werden. Flexibles Patchkabel mit Aderendhülsen verwenden, kein starres Verlegekabel!

Und generell: Die Zappi installiert Updates zwar nicht heimlich (installiert wird nur, was ihr selbst bestätigt) – aber nach jedem Update lohnt der Blick in die Einstellungen. Man weiß nie, was so ein Update stillschweigend umräumt.

Wenn ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt – oder das Problem bei euch anders gelöst wurde – schreibt es gerne in die Kommentare. Vielleicht erspart es dem Nächsten ja den ein oder anderen Abend mit dem Multimeter im Keller.

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Ladekabel Odyssee

Es gibt Dinge im Leben, die klingen banal – bis man drei Wochen, zwei Ladekabel, einen Ladeziegel, eine Kabeltrommel und einen Werkstatttermin später immer noch nicht so richtig weiß, wer eigentlich schuld ist. Genau so eine Geschichte möchte ich euch heute erzählen: die Sache mit dem Ladekabel, das mal wollte und mal nicht.

Falls ihr nur schnell die Lösung sucht, weil euer Auto gerade wütend rot blinkt: Springt runter zur Checkliste am Ende. Falls ihr Lust auf die volle Fehlersuche mit allen Slapstick-Einlagen habt – lest weiter.

Akt 1: „Kein Ladekabel erkannt“

Es fing harmlos an. Ich stecke an einer Säule eines bestimmten Betreibers (nennen wir ihn einfach Betreiber X – wer öfter in meiner Gegend lädt, kennt ihn vielleicht) mein Ladekabel ein, halte die Karte dran, die Säule entriegelt brav – und dann: nichts. Der Bordcomputer meldet süffisant, es sei kein Ladekabel erkannt worden. Klar doch, das schwere graue Ding, das gerade in meiner Ladebuchse steckt, ist natürlich nur Deko.

Das Ganze passierte an vier verschiedenen Säulen desselben Betreibers – aber bei BMW selbst, mit einem Leihkabel, lief alles butterweich. Erstes Indiz: Es könnte am Kabel liegen, nicht an meinem Auto.

Merksatz Nr. 1: Wenn ein Fehler nur bei einem einzigen Betreiber auftritt, obwohl andere Fahrzeuge dort problemlos laden, lohnt sich trotzdem erstmal der Blick auf das eigene Kabel – bevor man dem Betreiber die Schuld gibt.

Akt 2: Der Werkstattbesuch, der alles erklärte (dachte ich)

Ab zu BMW. Und siehe da: Die Werkstatt fand tatsächlich einen eingedrückten Pin im Stecker – vermutlich CP oder PP, für die Nicht-Elektriker unter euch: einer der kleinen, aber wichtigen Kontakte, über die Auto und Ladesäule sich „unterhalten“, ob und wie viel Strom fließen darf. Fall gelöst, dachte ich. Kabel kaputt, neues Kabel kaufen, fertig.

Für alle, die gerade selbst ein Ersatzkabel suchen: Ich bin am Ende beim MAHLE MX 485 gelandet (22 kW, 32A, 3-phasig, 5 Meter – exakt wie das BMW-Original, nur günstiger und mit deutscher Erstausrüster-Herkunft). Für gelegentliche Nutzer wie mich eine gute Wahl.

Akt 3: Neues Kabel, altes Déjà-vu

Und dann kam der Moment, in dem ich fast das Kabel gegen die Wand geworfen hätte: Bei Betreiber X, exakt derselbe Fehler – mit dem brandneuen Kabel. LED am Auto: kurz grün, dann stur rot. Kein Laden, keine Gnade.

Jetzt könnte man meinen, ich hätte einfach das Kabel reklamiert und die Sache auf sich beruhen lassen. Aber nein – an dieser Stelle hat mein innerer Fehlersuch-Reflex übernommen, und ich habe angefangen, systematisch jede erreichbare Steckdose in meinem Vorgarten zu testen.

Die große Testreihe (oder: Ich und meine Kabeltrommel gegen den Rest der Welt)

Hier die Ergebnisse meiner völlig übertriebenen, aber letztlich sehr aufschlussreichen Testreihe:

Ort / Testaufbau Kabel Ergebnis
BMW-Werkstatt (AC-Säule)Stationskabel✅ lädt
Eigene Wallbox zuhauseWallbox-Kabel✅ lädt
Zuhause, Ladeziegel an Schukoeigener Ladeziegel❌ kurz orange, dann aus
BekannterMAHLE (neu)✅ lädt einwandfrei
EVM Höhr-GrenzhausenMAHLE (neu)✅ lädt einwandfrei
Betreiber XMAHLE (neu)❌ Rot, kein Laden

Ich habe in dieser Phase wortwörtlich in Sandalen vor meinem Auto gestanden, eine Kabeltrommel entfernt, einen Ladeziegel direkt an die Steckdose gehängt und meinem Nachbarn vermutlich ziemlich verdächtig vorkommen müssen. Das Ergebnis war aber eindeutig: Das Kabel ist völlig in Ordnung. Es lädt an zwei komplett unabhängigen Orten tadellos. Nur bei Betreiber X streikt es – mit zwei verschiedenen Kabeln in Folge.

Merksatz Nr. 2: Wenn zwei unterschiedliche Kabel am selben Betreiber scheitern, aber überall sonst funktionieren, ist das kein Kabelproblem mehr – das ist ein Beziehungsproblem zwischen eurem Auto und genau diesem Betreiber.

Der (aktuell wahrscheinlichste) Verdächtige: ISO 15118 und ein müder Fehlerspeicher

Jetzt wird es für Technikfreunde interessant: Moderne Ladesäulen kommunizieren teils über ISO 15118 (das Protokoll hinter „Plug & Charge“) mit dem Fahrzeug – über sogenannte Power Line Communication, kurz PLC. Und siehe da: In BMW-Fehlerspeichern taucht durchaus mal ein Eintrag auf wie „Laden, Power Line Communication: Verbindungsstörung“ – ein CCU-Fehler (CCU = Combined Charging Unit, das Steuergerät fürs Laden).

Meine aktuelle Arbeitstheorie: Betreiber X nutzt vermutlich PLC/ISO 15118-fähige Säulen, während EVM Höhr-Grenzhausen, mein Bekannter und meine eigene Wallbox nur mit dem einfacheren, reinen PWM-Signal nach IEC 61851 arbeiten. Sollte sich da ein hartnäckiger Fehlercode im CCU festgesetzt haben, könnte der bei jedem neuen Versuch mit PLC-Kommunikation wieder aufpoppen – auch wenn das ursprüngliche Problem (das kaputte Kabel) längst behoben ist.

Flame on: Liebe Fahrzeughersteller, liebe Ladesäulenbetreiber – wäre es zu viel verlangt, dem Fahrer im Klartext zu sagen „Ladevorgang abgebrochen, weil PLC-Handshake fehlgeschlagen“ statt eines lapidaren „kein Ladekabel erkannt“? Das hätte mir und meinem Nachbarn eine Menge Kabeltrommel-Kabarett erspart. Flame off.

Nächster Schritt bei mir: Nochmal zu BMW, diesmal mit der kompletten Tabelle im Gepäck und der konkreten Bitte, den CCU-Fehlerspeicher gezielt auf PLC-/Ladeelektronik-Fehlercodes zu prüfen und – ganz wichtig – ihn auch wirklich zurückzusetzen. Ob das der letzte Akt dieser Geschichte war, verrate ich euch in einem Update.

Checkliste für alle, die gerade vor demselben Rätsel stehen

  • Tritt der Fehler nur bei einem bestimmten Betreiber auf? Dann testet das Kabel unbedingt auch woanders (Bekannte, andere Betreiber, eigene Wallbox), bevor ihr das Kabel wegwerft.
  • Laden andere Fahrzeuge an derselben Säule problemlos? Dann liegt es sehr wahrscheinlich nicht an der Säule selbst.
  • Scheitert ein zweites, komplett neues Kabel ebenfalls nur bei diesem einen Betreiber? Dann geht der Verdacht Richtung Fahrzeug (Ladebuchse oder CCU-Software) statt Kabel.
  • Bei der Werkstatt gezielt nach dem CCU-Fehlerspeicher fragen – nicht nur nach einer Sichtprüfung des Kabels. Insbesondere nach Einträgen rund um Power Line Communication / AC-Ladeelektronik.
  • Fehlerspeicher explizit löschen lassen – auch wenn „kein aktueller Fehler“ gefunden wird.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit bestimmten Ladesäulenbetreibern gemacht? Ich bin gespannt, ob ich mit meiner ISO-15118-Theorie richtig liege – schreibt es gerne in die Kommentare!

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